Donnerstag, 26. August 2010

Meine erste Lesung

Vorgestern war ein aufregender Tag für mich. Meine erste öffentliche Lesung stand an. Und zwar ziemlich weit weg von meiner rheinischen Heimat, im oberfränkischen Bayreuth. Das macht Sinn, zum einen, weil mich dort im Falle einer Blamage keiner kennt, zum anderen, weil mein Verlag seinen Sitz in Bayreuth hat. Von dort aus wurde die Lesung auch organisiert, und zwar als "2. Oberfränkische Mondscheinlesung". Denn vorgestern war Vollmond, und der Plan war, die Lesung im malerischen Garten des Schlosses Neudrossenfeld abzuhalten. Noch nie gehört? Ich auch nicht, bis zu dem Tag, als Frau Kern mich fragte, ob ich Lust hätte, an der Veranstaltung teilzunehmen.

Neudrossenfeld liegt etwa 15 Kilometer von Bayreuth entfernt, ein hübscher, leicht verschlafen wirkender Ort. Das Schloss ist ziemlich genau in der Ortsmitte und bietet sich für Festivitäten jeglicher Art an, unter anderem hält das örtliche Standesamt dort auch Trauungen ab.

Was mal wieder nicht so recht mitspielte, war das Wetter. Der Vollmond war zwar da, aber es hatte den ganzen Tag über immer wieder kräftig gegossen und abends war es trocken, aber ziemlich frisch. Und es liest sich so schlecht vor, wenn einem die Hände, die das Buch halten, vor Kälte zittern. Mal ganz abgesehen von den armen Zuhörern, die tapfer bis zum Ende in der Kälte ausharren müssen.

Also verlegte der Schlossherr das Ganze eben vom Garten in den großen Saal, und das war eine gute Entscheidung. Der Saal bot einen absolut passenden Rahmen für die Veranstaltung, und wenn man aus dem Fenster schaute, konnte man auch den Vollmond sehen.

Außer mir haben noch zwei weitere Autoren vom Verlag Kern aus ihren Büchern vorgelesen, außerdem wurde ein regionales Buchprojekt von insgesamt 5 Autoren vorgestellt, alles Weitere ist dem Plakat sowie dem Artikel unter www.verlag-kern.de, Unterpunkt "Lesungen" zu entnehmen.

Ich war als letzte dran, damit ich als kompletter Vorleseneuling mir noch die beiden anderen anschauen konnte. Trotzdem war ich innerlich nicht so cool, wie ich nach außen hin wohl gewirkt haben muß, als ich aufgerufen wurde, mir mein mit Spickzetteln und Reitern versehenes Exemplar von "Auszeit" sowie ein Glas Wasser griff und zu dem Lesetisch marschierte.

Zum Glück hatte ich mir ein paar Infos von einer Fachfrau geholt, die ich über unseren Unternehmerinnenzirkel hier in Mönchengladbach gefunden hatte: sie coacht Autoren, aber auch Führungskräfte aus Unternehmen und bringt ihnen bei, wie sie sich vor Publikum am besten präsentieren. Ihre Tipps waren Gold wert: Nichts um die Bauchregion herum Enges anziehen, schlimmstenfalls den Gürtel aufmachen, sieht ja keiner. Wenn nämlich der Bauch eingequetscht ist, wirkt sich das auf die Stimme aus, sie wirkt kleiner und piepsiger. Hat was mit dem Resonanzboden zu tun. Die Schultern bloß nicht hochziehen, sondern schön locker lassen, also auf gar keinen Fall den Kopf zwischen die Schultern ziehen, nach dem Motto, wenn ich mich ganz klein mache, sieht mich keiner. Dafür ist es jetzt eh zu spät. Und auch von dem Glas Sekt zur Linderung der Nervosiät wurde mir entschieden abgeraten. Die Zunge ist ein Muskel, und Alkohol lähmt die Muskeln. Die Konsequenz ist leicht abzusehen...

Aber der wichtigste Tipp war, nicht zu lesen, sondern zu erzählen. Also schon den Text abzulesen, aber so, dass die Gedanken, Bilder, Emotionen, die ich beim Schreiben hatte, auf das Publikum übertragen werden. Die Zuhörer sollen die dargebotene Situation miterleben, die Atmosphäre fühlen, quasi mit im Buch dabeisein. Und nicht einfach nur zuhören und versuchen, die Folge der Wörter aufzunehmen.

Erstaunlicherweise war ich von dem Moment an ruhig, in dem ich Platz genommen und das Buch aufgeschlagen hatte. Und konnte mich ganz bewußt beim Lesen an die Ratschläge meines Coaches erinnern und sie umsetzen. Die Reaktion des Publikums hat mir gezeigt, dass mir das ganz gut gelungen ist. Und der erhebenste Moment, neben dem Applaus am Ende des Vortrags ist es, wenn man am Ende des Abends zum Büchertisch gerufen wird, um sein Werk zu signieren und den Käufern eine persönliche Widmung in ihre Bücher zu schreiben.

Fazit ist, ich hab mich ganz wacker geschlagen und werde das mit den Lesungen künftig öfter machen..

1 Kommentar:

  1. Hallo liebe Frau Trippen,
    mehr als nur "wacker geschlagen" - Ich fand, Sie haben das toll gemacht!!!
    LG
    Sabine Greiner

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