Dienstag, 10. August 2010

Roman oder Wirklichkeit

Meine Schwiegermutter kündigte an, sie müsse mal mit mir reden, mein Vater ist "noch nicht so richtig durch" mit dem Buch, und eine meiner besten Freundinnen ist "sehr nachdenklich".
Was hab ich denn bloß getan? Weder habe ich einen Enthüllungsroman á la Prinzessin Diana und ihr Butler / Reitlehrer geschrieben noch sonstige weltverändernde Tatsachen über mich und mein Umfeld offenbart.

Ich habe nur ein paar Ansichten und Gedanken teilweise locker-flockig, teilweise etwas essayistisch angehaucht, in die Geschichte meiner Romanfigur Andrea eingeflochten. Aber genau diese Andrea ist es, die meinem Umfeld einige Rätsel aufgibt. Weil viele Menschen Andrea nicht von mir, Gaby, trennen können. Zugegeben haben die beiden gewisse charakterliche Ähnlichkeiten, und genauso zugegeben sind einige der Kapitel, die sich auf Andreas Vergangenheit, ihre Jugend, Studium, Berufsausbildung etc. beziehen, zu einem sehr hohen Prozentsatz autobiografisch. Ansonsten aber ist mein Leben längst nicht so spannend und abenteuerlich verlaufen wie das von Andrea. Vielleicht ist da auch immer wieder ein bißchen Wunschdenken mit in die einzelnen Kapitel eingeflossen.

Vielleicht habe ich mir manchmal gewünscht, so zu sein wie Andrea, so zu argumentieren, so schlagfertig zu sein wie sie. Habe gedacht, dass ich manche Situation im realen Leben gerne so angegangen wäre wie Andrea ähnliche Situationen angeht.

Richard, der abtrünnige Ehemann von Andrea, hat auch sehr viele Charakterzüge von Markus, meinem eigenen Mann. Sein familiärer Hintergrund und seine Berufsausbildung sind zwar etwas abgewandelt, aber viele der Aussprüche und viele Facetten seines Verhaltens habe ich 1:1 meinem Mann abgeguckt. Weil ich ihn halt von allen Exemplaren der Spezies Mann am besten kenne und dadurch die Person Richard, so glaube ich, authentisch zeichnen konnte. So, dass sich auch andere Männer in dieser Person wiederfinden.

Ich bin sehr stolz darauf, dass Markus so hinter dem Buch steht, dass er stolz überall, wo es ihm sinnvoll erscheint, dafür Werbung macht. Anfangs hatte ich schon so ein bißchen meine Bedenken, dass die Leute glauben, das, was Richard getan hat, hätte auch er getan, und das, was Richard widerfahren ist, hätte auch er genauso erlebt. Und ich denke schon, dass viele das glauben. Nur geht er damit viel lockerer und viel selbstbewußter um, als ich es vermutet hätte. Und gerne lässt er sein Umfeld im Unklaren, gibt sich ein bißchen geheimnisvoll.

Er hat übrigens jedes einzelne Kapitel sofort nach der Fertigstellung gelesen, aber er wußte bis zum Schluß nicht, wohin die Reise geht. Das wollte er auch nicht wissen, wollte vorab auch kein Exposé sehen. Und wenn ihm ein Kapitel nicht so gut gefallen hat, haben wir darüber diskutiert und ich habe ihn entweder davon überzeugen können, warum ich dieses Kapitel so angelegt hatte, oder ich habe es umgeschrieben.

Hier noch einmal für alle zum Mitschreiben: DAS IST EIN ROMAN, eine fiktive Geschichte, deren Hauptpersonen meinem direkten Umfeld entlehnt sind, aber Andreas Geschichte ist in weiten Teilen nicht meine Geschichte. Und niemand muß deshalb jetzt mit mir Grundsatzgespräche führen oder mich schief angucken. Ich wollte meine Leser unterhalten, durch die Gedankenwelt von Andrea in einen Bann ziehen, Spannung aufbauen und halten und nicht mehr.

So, jetzt muß ich für heute aufhören, denn Richard, pardon Markus, kommt zum Abendessen :)
Oder vielleicht beide ?

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